Bildungsirrtümer

IRRTUM 1:

Stures Üben bringt nichts

Seit den 60er Jahren ist „auswendig Lernen" und „stupides Wiederholen" verpönt. Heute ist eher das „Verstehende Lernen" populär. Dabei ist alles gleichermaßen wichtig.

Ein Kind muss selbstverständlich verstanden haben, was die Rechenoperation Multiplikation bedeutet.
Das allein reicht jedoch nicht. Ein Schüler, der z.B. das Einmaleins nicht beherrscht, wird anderen gegenüber immer im Nachteil sein. Er muss Zeit und Energie für Dinge aufwenden, die Mitschüler nicht mal ein Wimpernzucken kostet. Der Vorteil automatisierten Verhaltens lässt sich sehr gut auch an einem Beispiel nichtschulischen Lernens zeigen.
Wer Fahrstunden nimmt, muss überlegen, bevor er losfährt: Kupplung treten, Gang einlegen, Kupplung kommen lassen, Gas geben. Der routinierte Fahrer führt die einzeleinzelnen
Schritte ohne nachzudenken aus.
Übung gibt Sicherheit, und die ermöglicht, dass wir uns auf andere Dinge konzentrieren. Um etwas tun zu können, ohne dass es unsere Aufmerksamkeit erfordert, müssen wir es üben, üben, üben...

IRRTUM 2:

Hausaufgaben bringen nichts

Schüler, die bereits im Unterricht verstanden haben, worum es geht, brauchen keine Hausaufgaben. Ihre Mitschüler dagegen, die nichts kapiert haben, bringt die einsame Beschäftigung mit dem Stoff auch nicht weiter.

Diese Argumente der Hausaufgaben-Gegner klingen zunächst ganz plausibel. Die empirische Bildungsforschung hat jedoch gezeigt, dass Schüler, die regelmäßig ihre Hausaufgaben erledigen, er folgreicher sind als jene, die das nicht tun. Die Schüler, bei denen morgens der Groschen gefallen ist, haben mit Hausaufgaben die Chance, Ge lerntes zu vertiefen und zu automatisieren. Jenen dagegen, die in der Schule nur Bahnhof verstanden haben, wird ohne Hausaufgaben vermutlich der Anstoß fehlen, aktiv den Anschluss zu suchen und das Versäumte aufzuarbeiten.

 

Quelle:
"Schule & wir", Ausgabe 2010-1