ZOOM: Schulberatung – was ist das eigentlich?

Interview mit Frau Bernhard-Kasanmascheff

 

1.: Wie lange übern Sie die Schulberatung schon aus? Wie wird man Beratungslehrer?
Ich bin seit 10 Jahren Beratungslehrerin. Dazu braucht man eine zweijährige Zusatzausbildung, die mit einem Staatsexamen abgeschlossen wird.

2.: Was sind Ihre schönsten Erfahrungen?
Mein bestes Erlebnis war, als ich einer ehemaligen Schülerin begegnete, die damals die Schule aufgrund ihrer Noten verlassen hatte und der ich neue Möglichkeiten für die Realschule aufgezeigt hatte, und sie mich ansprach und zu mir sagte, dass sie nun dank mir Klassenbeste sei.

3.: Wie sind sie dazu gekommen, Schulberaterin zu werden?
Der Vorgänger des jetzigen Schulleiters Herr Ziegler bot mir dieses Amt an, da der Kollege, der es vor mir ausgeübt hatte, in den Ruhestand ging. Dieses Amt ist verlockend: es ist abwechslungsreich und wegen des engeren Kontakts zu Schülern menschlich bereichernd.

4.: Welche Klassenstufen kommen für eine solche Beratung infrage?
Es kommen alle Klassenstufen in Frage, die meisten Schüler/innen, die mich aufsuchen, kommen aus den Klassenstufen 9-11. Wenn es um jüngere Jahrgänge geht, kommen die Eltern auf mich zu.

5.: Was beinhaltet die Schulberatung?
Sie beinhaltet vor allem die Behebung von Problemen des Schülers und ist recht allgemein. Der Vorteil ist, dass die Schüler nicht bewertet werden müssen, wie bei Noten. So kann man das Problem besser lösen.

6.: Woraus besteht die Beratung hauptsächlich?
Sie besteht zunächst einmal daraus, dass ich genau zuhöre und nachfrage, um mir ein umfassendes Bild von der Situation des Schülers zu machen. Dann geht es darum, Sachinformationen, z.B. zu Schulprofilen zu geben. Manchmal ist es nötig auf weitere Anlaufstellen, wie z.B. die Familienberatung, aufmerksam zu mache.

7.: Was sind die häufigsten Erwartungen der zu beratenden Schüler von einer solchen Beratung?
Am häufigsten suchen sie Hilfe, wenn die Schulleistungen deutlich absinken, wenn sie sich den schulischen Belastungen nicht mehr gewachsen fühlen. Manchmal wollen sie auch nur Informationen, z.B. zu Schulabschlüssen.

8.: Kommt es auch manchmal vor, dass es keine Lösung für ein Problem gibt?
Für jedes Problem wird eine Lösung gesucht, die es dem Betroffenen ermöglicht, besser hinüber zu kommen. Eine Erfolgsgarantie gibt es natürlich nicht.

9.: Sind die meisten Schüler froh über eine Beratung oder begegnen sie ihr mit gemischten Gefühlen?
Für Schüler, die mich nicht aus dem Unterricht kennen, bin ich eine Unbekannte, der gegenüber sie sich erst einmal vorsichtig verhalten. Wenn ich ihr Vertrauen gewonnen habe, entwickeln sich gute Gespräche, so dass die Schüler am Ende oft sehr erleichtert sind.

10.: Wann soll ein Schüler zur Schulberatung kommen?
Wenn ein Problem vorliegt, zu dessen Lösung er Informationen oder persönliche Unterstützung braucht.

11.: Gibt es auch andere Lehrer, die beraten?
Als Schulberater/in habe ich zusätzliche Stunden und aufgrund der speziellen Ausbildung mehr Sachkenntnis. Meine Kollegin Frau Wehinger ist als Schulpsychologin eine weitere sehr wichtige Anlaufstelle für Schüler, die Rat und Unterstützung brauchen.

12.: Bekommen Schüler meistens auch den Rat, der ihnen am meisten zusagt?
Es ist nicht meine Aufgabe einen Rat suchenden Schüler zu einer bestimmten Entscheidung zu bewegen. Ich sehe meine Hauptaufgabe darin, die Vorraussetzung dafür zu schaffen, dass sich der Betroffene selbst vernünftig entscheiden kann.

von Friedrich Christensen