Liebe Eltern, sehr geehrte Damen und Herren des Lehrerkollegiums,
liebe Abiturientinnen und Abiturienten!
Mit dem Abiturreglement von 1788 regelte Preußen als erster deutscher Staat die Hochschulzugangsberechtigung. Wilhelm von Humboldt und Johann Wilhelm Süvern versuchten die Vereinheitlichung einer verbindlichen Reifeprüfung mit der Direktive von 1812, mit Prüfungen in Deutsch, Mathematik sowie Französisch und Naturlehre. Diese konnte in Preußen jedoch noch bis 1834 durch Eingangsprüfungen der Universitäten umgangen werden.
Am 25. Juni 1834 genehmigte dann der preußische König Friedrich Wilhelm IV. mit allerhöchster Kabinettsordre ein Reglement für die Prüfung der zu den Universitäten übergehenden Schüler.
Danach musste sich „jeder Schüler ... vor seinem Abgange zur Universität, er mag eine inländische oder auswärtige Universität besuchen wollen, einer Maturitätsprüfung unterwerfen". Zweck dieser Prüfung war, „auszumitteln, ob der Abiturient den Grad der Schulbildung erlangt hat, welcher erforderlich ist, um sich mit Nutzen und Erfolg dem Studium eines besonderen wissenschaftlichen Faches widmen zu können." (Amtsbl. d. Königl. Preuß. Regierung zu Arnsberg 1834, S. 284-304)
Liebe Abiturientinnen und Abiturienten,
Sie sind nach 13 Jahren Schule und erfolgreichem Absolvieren des Abiturs heute sicherlich nicht hierher gekommen, um einen weiteren Vortrag zu hören, sondern um angemessen zu feiern.
Daher will ich mich kurz fassen und Sie vor allem im Namen aller Eltern beglückwünschen.
Allerdings kann ich - typisch Eltern - der Versuchung nicht widerstehen, Ihnen noch ein paar kluge Ratschläge mit auf Ihren Weg zu geben.
Auch wenn sich das jetzt mega-uncool anhört, so schlimm wird es nicht. Ich denke eher, manche Mama und mancher Papa hören mal bitte einen Moment weg.
Hier also meine persönlichen Top Five:
- Auch wenn wir in einer materiellen Welt leben - Geld allein macht nicht glücklich. Wenn Sie jetzt wichtige Weichen für Ihren weiteren Lebensweg stellen, orientieren Sie sich nicht primär an den kurzfristigen materiellen Aussichten.
- Im Laufe eines Berufslebens erlernen wir heute mindestens drei unterschiedliche Berufsbilder und üben diese aus. Die Halbwertzeit von Wissen nimmt rasant ab. Wenn Sie sich also für eine bestimmte Ausbildungs- oder Studienrichtung entscheiden, sehen Sie es als Einstieg in eine Entwicklung.
- Wählen Sie vor allem ein spannendes Interessensgebiet. Was auch immer Sie tun, tun Sie es mit Herzblut. Nur Begeisterung befähigt zu außergewöhnlichen Leistungen; nur außergewöhnliche Leistungen führen zu besonderen Erfolgen. Nur Erfolge machen zufrieden und motivieren zu mehr.
- Die Welt ist klein, die Berufwelt international, interkulturell und interdisziplinär. Seien Sie weltoffen. Es bereichert ungemein, fremde Länder und Sitten kennenzulernen und Freunde in anderen Kulturen zu finden. Wenn Sie die Chance dazu bekommen, verbringen Sie eine zeitlang im Ausland und sammeln Erfahrungen.
- Wenn Sie 1. bis 4. beherzigt haben und alles prima läuft, dann erinnern Sie sich bitte wieder an Ihr Emmy. Kommen Sie zurück, erzählen Anekdoten und geben anderen Abiturienten noch schlauere Ratschläge. Ich würde mich freuen und Ihre Lehrer und Eltern sicher auch. Und die Abiturienten wären sicherlich für Ihre Tipps dankbar.
Bis dahin wünsche ich Ihnen alles Gute und für den heutigen Tag ein schönes und ausgelassenes Fest. Sie haben es sich reichlich verdient.
Ihr
Markus Schiefer
Elternbeirat