Jahresbericht 2006/2007

Liebe Eltern,

im November vergangenen Jahres haben Sie mich im Rahmen der Elternbeiratswahl zum zweiten Mal zu einem Ihrer Vertreter bestimmt. Vom frisch gewählten Elternbeirat wurde ich dann, ebenfalls zum zweiten Mal, zum Vorsitzenden des Elternbeirates gewählt. Für Ihr Vertrauen meinen herzlichen Dank!

Die Situation der Gymnasien in Bayern

Der Umbruch zwischen den unterschiedlichen Modellen G9 und G8 führt mit seinen Neuerungen immer noch zu Problemen im Schulalltag, insbesondere an der Nahtstelle. Das G8 nähert sich einem Stadium, in dem ein Wechsel aus dem G9 - falls in der Praxis überhaupt noch - nur sehr schwierig möglich wird. Darüber hinaus erreicht das G8 bald die Oberstufe in ihrer neuen Form.

Die Schülerinnen und Schüler kämpfen um gute Noten für einen erfolgreichen Abschluss. Gleichzeitig steigen die Anforderungen an die Schulbildung und der Wettbewerb zwischen den Schulen. Alle gemeinsam sehen sich einem zunehmenden Leistungsdruck ausgesetzt.
Vor diesem Hintergrund ist es nicht überraschend, wenn vor kurzem der Presse zu entnehmen war, dass sogenannte alternative Schulformen erheblichen Zulauf erleben. Immer mehr Eltern sind nicht mehr gewillt, ihre Sprösslinge dem Stress herkömmlicher Schulbildung und -formen auszusetzen. Dazu kommen ethische Gründe, Wertevermittlung und Weltanschauung. Dafür sind die Eltern zunehmend gewillt, sich selbst persönlich und/oder finanziell erheblich zu engagieren.

Die Situation am Emmy

Zunächst betreffen uns im Alltag alle Schwierigkeiten in der Umstellung zwischen G9 und G8 genauso wie jedes andere Gymnasium. Insbesondere der erste G8-Jahrgang muss sich das G8 neu erarbeiten; und ich schließe hier ausdrücklich alle Beteiligten ein. Der letzte G9-Jahrgang befindet sich in einer kritischen Phase, die gut betreut und begleitet werden muss; auch dies ist nicht weniger anspruchsvoll.

Die entsprechenden Schulprojekte ziehen immer wieder Kapazität ab, aber sie führen auch zu positiven Erfahrungen und besserer Vorbereitung kommender Stufen.
Die Landeselternvereinigung (LEV) hat in diesem Schuljahr eine Umfrage zu den Belastungen an bayerischen Gymnasien durchgeführt und kritische Problembereiche dargestellt. Auch wir haben an dieser Umfrage teilgenommen; allerdings mit einem weitaus weniger kritischen Ergebnis.

Nur sehr vereinzelt haben Eltern eine hohe Belastung ihrer Kinder bis hin zu Belastungen des Familienlebens beklagt. Die ganz überwiegende Mehrheit berichtet von vertretbaren Zeitaufwendungen und Betreuungserfordernissen. Viele Schülerinnen und Schüler gehen einer Reihe von zusätzlichen sozialen und sportlichen Aktivitäten nach. Demnach scheint es am Emmy vergleichsweise besser gelungen, den Schulalltag weniger belastend zu gestalten.
Überhaupt wissen wir aus der Zusammenarbeit mit den anderen Gymnasien in Erlangen und Umgebung (ARGE), dass wir insgesamt eher weniger Probleme zu bewältigen haben als andere.

Die neue GSO

In dieser Situation steht die neue Gymnasiale Schulordnung (GSO) bevor, die zum 01.08.07 wirksam wird und die Schulen und ihre Gremien in mehr Eigenständigkeit entlassen möchte.

Damit aktuell verbunden ist erneut die Diskussion um die Festlegung, Vermittlung und Prüfung von „Grundwissen". Bisher standen die Eltern zentralen Tests, die dieses breite Wissen voraussetzen, eher skeptisch gegenüber. Zukünftig soll dieses Wissen Teil jeder Prüfung sein. Daher ist es besonders wichtig, durch entsprechende Methoden und wiederholte Übungen wesentlich mehr auf die Nachhaltigkeit von Lernen zu achten.
Dieses und andere Themen wie etwa Hausaufgaben nach dem Nachmittagsunterricht oder die Durchführung von mündlichen Prüfungen in Fremdsprachen können an den Schulen unterschiedlich geregelt werden. Darüber hinaus steht ein Katalog von Maßnahmen zur Schulentwicklung (Modus21) zur Verfügung.
Es spricht für den offenen Umgang miteinander, dass wir frühzeitig in den Gremien alle Neuerungen durchsprechen und zunächst unabhängig von vorgegebenen Zuständigkeiten Meinungen und Empfehlungen austauschen.
Dies entspricht im übrigen auch dem Gedanken und Werteverständnis unserer Schulverfassung, die wir nach eingehender Diskussion in diesem Schuljahr verabschiedet haben.

Unser Engagement am Emmy

Durch die Neuwahlen zu Beginn des Schuljahres haben wir eine sehr bunte Zusammensetzung im Elternbeirat erhalten. Es sind langjährige Elternbeiräte ebenso vertreten wie Neuzugänge, Lehrer (anderer Schulen) ebenso wie viele andere Berufsbilder. Es werden alle Modelle G9-G8-GT sowie nahezu alle Jahrgangsstufen abgedeckt.
Der Elternbeirat trifft sich im Monatswechsel zu Sitzungen mit der Schulleitung oder internen Arbeitsgruppen, um aktuelle Informationen auszutauschen, Projekte vorzubereiten und die Arbeit in den Gremien abzustimmen.
Wir suchen den Kontakt zu allen am Schulleben Beteiligten. Bei zahlreichen Veranstaltungen vertreten wir die Interessen der Eltern oder bringen unsere Ideen in Arbeitskreise zur Verbesserung der Schulsituation ein.

Das Engagement der Eltern

Ich hatte mich eingangs für Ihr Vertrauen bedankt. Ich werte die Wiederwahl als Bestätigung meiner Arbeit und gehe davon aus, dass Sie sich von mir gut repräsentiert fühlen. Gestatten Sie mir daher ein vertrauensvolles, offenes Wort.
Gerade bei der Diskussion komplexer Sachverhalte mit weitreichenden, langfristigen Konsequenzen stelle ich mir immer wieder dieselbe Frage: was ist das Interesse der Eltern überhaupt? Wie würde die Mehrheit von Ihnen entscheiden?
Häufig wäre ich dankbar für aktiveres Feedback von Ihrer Seite. Obwohl schon mehrfach verteilt, machen nur wenige Gebrauch von Kontaktangeboten, schreiben eine Email oder sprechen mich auf einer Veranstaltung direkt an. Dann entscheide ich nach bestem Wissen und Gewissen.
Im Vergleich zu anderen Schulen erlebe ich am Emmy wenig Aktivität der Elternschaft, um den Schulalltag zu bereichern. Etwa 840 Schülerinnen und Schüler verfügen über bis zu doppelt so viele Elternteile. Das spricht doch für ein erhebliches Potenzial.
Wenn Eltern an anderen, problembehafteten Schulen Wege suchen, sich zu engagieren, um die Schulsituation für ihre Kinder zu verbessern, dann sollte es doch möglich sein, uns in breiterem Masse als bisher einzubringen.
Ich spreche hierbei nicht von groß angelegten Aktionen, sondern beispielsweise von der aktiven Teilnahme an Veranstaltungen für Eltern.
Ich spreche davon, zu aktuellen Themen unaufgefordert Stellung zu nehmen, auf uns zuzugehen oder an Arbeitskreisen mitzuwirken.
Ich spreche davon, die täglichen Gelegenheiten wahrzunehmen, sich als Eltern aktiv einzubringen.
Wir brauchen Sie, um unserer Aufgabe als Eltern gerecht zu werden.
Und ich möchte sehr gerne Ihre Meinung wissen, damit ich sie auch wirklich vertreten kann.

Ihr

Markus Schiefer
Vorsitzender des Elternbeirates