G8-Check

Landes-Eltern-Vereinigung dankt Gymnasial-Lehrern und Schulleitern und fordert zur Teilnahme an der Landtagswahl auf

München. Wenige Tage vor Ende des Schuljahres vergab LEV-Vorsitzender Thomas Lillig im Rahmen einer Veranstaltung unter dem Titel „Kritischer G8-Check" in der Alten Messehalle in München Noten. Benotet wurden die „Kernfächer", also die Bereiche, die aktuell an den bayerischen Gymnasien relevant sind, um eine positive Weiterentwicklung dieser Schulart zu sichern.
Der Vorsitzende der Elternvereinigung hob dabei insbesondere die Leistung der Lehrerinnen und Lehrer sowie der SchulleiterInnen hervor: „Unter großer Anstrengung wurde aus der notwendigen Mangelverwaltung das Beste für unsere Kinder gemacht. Das verdient großen Dank und die Note Gut.".
Was den Schulen seit einigen Jahren zusetzt führt auch zu massiver Unzufriedenheit bei den Eltern, die laut Lillig mit den Anstrengungen der Verantwortlichen in Sachen „Lehrerversorgung" gar nicht zufrieden sind, hier wurde die Note 5 ins Zeugnis eingetragen. Nach Ansicht des LEV-Vorsitzenden kann es nicht angehen, dass das Problem des Lehrermangels solange auf dem Rücken der Lehrer und Schüler ausgesessen wird, bis die Schülerzahlen ohnehin sinken. „Da muss eben auch mal Geld in die Hand genommen werden und marktgerecht bezahlt werden, dann werden sich auch gute Leute finden, die unsere Kinder unterrichten und ihre KollegInnen an den Schulen entlasten können," forderte Lillig.
Ebenso schlecht fiel die Bewertung bei der Betrachtung der Rahmenbedingungen für den letzten G-9-Jahrgang aus. Hier hapert es nach wie vor an fairen Bedingungen zum Wiederholen einer Klasse. Außerdem ist die Versorgung mit Studienplätzen gerade in den Fächern, in denen Deutschland ein Fachkräftemangel droht, nicht sichergestellt. „Wir wissen, dass Deutschland auf einen Ärztemangel zusteuert, wieso gibt es dann für den doppelten Abiturjahrgang keine ausreichende Zahl an Medizinstudienplätzen? Wollen wir, dass die Besten des Jahrgangs abwandern müssen, obwohl wir seit 2004 wissen, dass die Plätze gebraucht werden? Auch juristische Regelungen, beispielsweise die Weiterbezahlung des Kindergeldes, sind immer noch nicht in Sicht.
Die Themen Ganztagesbetreuung und Mittagessen sind laut Lillig insgesamt auf einem guten Weg. Hier haben sich die Verantwortlichen in den letzten Monaten in Richtung familienfreundlicher Lösungen bewegt, oder- um im Bild zu bleiben - die von den Eltern aufgegebenen Hausaufgaben wurden gemacht. Allerdings fordern die Eltern der Gymnasiasten eine Gleichbehandlung mit den Eltern anderer Schularten. „Wenn die Ganztagesschule für Hauptschüler Staatsaufgabe ist, gibt es keinen nachvollziehbaren Grund, warum dies für die Gymnasien nicht gelten soll. Wer der Meinung ist, dass alle bayerischen Kinder die gleiche Bildungschance haben müssen, der darf für die Eltern dieser Kinder keine zusätzlichen finanziellen Hürden aufbauen, das ist kontraproduktiv", so Lillig. Insgesamt verdiente dieses Fach jedoch eine befriedigende Zensur. Wenn der Beschluss der Sozialpolitiker zur Kostenfreiheit des Mittagessen umgesetzt wird, erscheint die Note 2 erreichbar.
Über den Einzelnoten schwebt auf jedem Zeugnis die sogenannte „Kopfnote", die die nicht einzelnen Fächern zuzuordnenden Kompetenzen bewertet. Lillig bezog diesen Teil des Zeugnisses auf Ministerpräsident
Beckstein und Kultusminister Schneider. „Die Bildungspolitik ist unserem Ministerpräsidenten Herzenssache, das spürt man und darüber sind wir Eltern froh." Viel Lob vergab Lillig auch an den Kultusminister, der auf die Eltern zugehe und in seinem Denken und Handeln immer die Kinder sowie das nachhaltige, anschauliche Unterrichten in den Mittelpunkt stelle.

Ihre wichtigste Aufgabe sieht die LEV in den kommenden Woche darin, sehr genau darauf zu achten, wie die angekündigten Gymnasialreformen, die zum kommenden Schuljahr eingeführt werden, tatsächlich umgesetzt werden. Beispielsweise bei der Lehrplankürzung, hier hat die Staatsregierung eine Kürzung des Stoffes linear in allen Fächern fest zugesagt. Die Lehrpläne werden derzeit in Berlin von einem neutralen Institut überarbeitet, die Ergebnisse sollen Ende Juli vorliegen.
„Unseres Wissens gibt es bereits gute Erfolge im Fach Latein, in anderen Fächern hakt es wohl noch. Unsere Kinder brauchen die 1:1-Umsetzung der von den bayerischen Ministern beschlossenen Änderungen. Schließlich wurde eine Kürzung um eine Fachstunde Englisch beschlossen. Ohne Lehrplankürzung bedeute dies für die Kinder logischerweise eine Mehr-Belastung und nicht - wie vom Kabinett explizit gewollt - eine Ent-Lastung. Wer hier an verantwortlicher Stelle nicht bereit ist zu kürzen, muss wissen, dass die Eltern das nicht hinnehmen werden."
Ähnlich wie am Marbacher Friedrich-Schiller-Gymnasium üblich müssten die erforderlichen Nacharbeiten dann eben während der Sommerferien im Rahmen einer „Sommerakademie" erfolgen, um die festgestellten Mängel auszubügeln.

Als Resümee seines G8-Checks führte Lillig aus, dass die Politik die Anforderungen des Schuljahrs aus Sicht der Eltern in Summe erfolgreich bestanden habe und der Versetzung, die zur Jahresmitte durchaus gefährdet schien, nichts im Wege steht.
Er forderte die Eltern und ihre wahlberechtigten Kinder zur Teilnahme an der Landtagswahl auf. „Nutzen Sie Ihre persönliche Chance. Mit Ihrer Stimme können Sie Ende September zeigen, wie Sie die Entwicklungen in der bayerischen Bildungspolitik beurteilen."

Die LEV vertritt 600.000 Mütter und Väter in Bayern.

 

Quelle: Pressemitteilung 15/2008 der LEV Bayern; München, 6.7.2008